6. Forum Kunst des Mittelalters: "Sinne / Senses"

Sektion 11a: Konzepte der Schmerzrepräsentation in Bild und Text

Sektionsleitung: Iris Grötecke (Frechen)

 

Ausschreibung des Call for Papers:

Im Schmerzzustand wird der gesamte Körper zum Sinnesorgan, das sowohl lokal begrenzt als auch in

seiner Gesamtheit Schmerzen empfinden kann. Schmerzzufügung, Schmerzempfindung und Schmerzäußerung sind anthropologische Grunderfahrungen, die jeweils einer epochenspezifischen kulturellen Sinngebung unterliegen.

Im Mittelalter war physischer Schmerz ubiquitär: Die Passion Christi und die Heiligenmartyrien deuteten

die Schmerzzufügung im Sinne einer Heiligung, Bußrituale folgten dieser Idee. Schmerz konnte als

Prüfung (Hiob) oder als Strafe (Höllenqualen) verstanden werden. Die säkulare Gerichtspraxis setzte Körperverletzungen zur Wahrheitsfindung, als Strafe, als Schandmal oder als Demütigung ein. Ritterlicher Zweikampf und Krieg verursachten Schmerz, darüber hinaus wurden Hunger, Krankheiten, aber auch medizinische Eingriffe von Schmerzen begleitet.

Die Sektion 11a fragt danach, welche Funktion die Repräsentationen von Schmerz haben. Das Zeigen intensiver körperlicher Schmerzen und das Verbergen der Schmerzen, die in diesem Fall nur indirekt aus

der Bildhandlung oder den Zeichen erlittener Qualen erschlossen werden können, stellen unterschied-

liche Deutungen dar. Ebenso interpretieren das emotionslose Ertragen körperlicher Schmerzen oder das Konzept der Schmerzlosigkeit in Situationen, in denen Schmerz zu erwarten wäre (etwa die Geburt Christi

in den Visionen der Heiligen Birgitta), die Sinneswahrnehmung sehr unterschiedlich. Willkommen sind Vorträge, die die Strategien des Zeigens, Verbergens, Sublimierens und der Abwesenheit von Schmerz in der Fülle mittelalterlicher Themen untersuchen, oder die neue eigene Analysekriterien zur Diskussion stellen wollen. Im Zentrum der Sektion steht die kognitive Deutung der körperlichen Schmerzen.

 

Vorschläge für einen 30minütigen Vortrag sind herzlich willkommen.

Bitte schicken Sie Ihr Angebot nicht an mich sondern an die im Call for Papers angegebene Adresse des Vorbereitungteams des Forums Kunst des Mittelalters im Deutschen Verein für Kunstwissenschaft e.V.: mail@mittelalterkongress.de.

 

Informationen zum Konzept der Tagung und den gesamten Call for Papers finden Sie unter: https://www.dvfk-berlin.de/call/